Bewerbermobbing
Gestern haben hier im Büro wieder neue Associates angefangen und wurden herumgeführt, vorgestellt, mit Verwaltungsformalitäten belästigt und in die tieferen Weihen der Espressomaschinen und Saftpressen eingeführt. Ein normaler Monatserster also.

Nicht ganz: Einer der Associates ist wirklich nett und sehr offen. Kein "von" im Namen und keine Initialen aufs Hemd gestickt. Mit dem lässt sich reden.

Er hat mir gleich das Du angeboten. Torsten heißt er. Den Nachnamen sage ich nicht. Vielleicht ist auch der Vorname falsch. In Zeiten von Google und Kanzleiwebsites ist der Teufel ein Eichhörnchen. Soviel habe ich von den guten Tips meiner Leser gelernt. Nennen wir ihn Torsten Baum.

Torsten hat mir erzählt, was einer der Partner während seiner Runde von Vorstellungsgesprächen im Einzelgespräch zu ihm sagte. Ich habe keinen Anlass, an der Richtigkeit seiner glaubwürdig erzählten Geschichte zu zweifeln. Und die ging so:

Der Partner schwadronierte ein paar Minuten über die Überlegenheit der Sozietät gegenüber den Mitbewerbern und schwenkte dann langatmig über zu den Anforderungen, die man hier an "die neuen Kollegen" stelle. Unter anderem müsse man etwas darstellen. Dazu gehöre auch der Name. Und da müsse Torsten "sich bewusst machen, dass niemand gerne einen TORSTEN BAUM auf dem Briefkopf hat".

Was soll man dazu sagen?

PS: Habe mir grade überlegt, das ich nicht nur abends sondern auch morgens vor Arbeitsbeginn bloggen kann. Was ich vor der Arbeit mache, kann mir doch wohl niemand vorhalten.

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berniecb, Dienstag, 2. Oktober 2007, 09:48
"Was soll man dazu sagen?"

Finden Sie ihn *sehr* nett? Nutzen Sie Ihre Chance. Er möchte bestimmt bald heiraten.

frosch.koenigin, Dienstag, 2. Oktober 2007, 21:42
Ganz bestimmt, wenn Sie einen repräsentativen Nachnamen haben.

paralegal, Mittwoch, 3. Oktober 2007, 11:45
Hihi, ein netter Trick. Trotzdem verrat ich ihn nicht.

berniecb, Mittwoch, 3. Oktober 2007, 12:36
Mist, fast hätt's geklappt! ;)

assoc, Dienstag, 2. Oktober 2007, 12:13
Was soll man dazu sagen?

Dass man offensichtlich bescheuert ist, wenn man in einer Kanzlei anfängt, die einen im Vorstellungsgespräch beleidigt hat....

steeefan, Dienstag, 2. Oktober 2007, 12:41
Genau das

frosch.koenigin, Dienstag, 2. Oktober 2007, 21:44
Man muss das berufliche von dem privaten trennen können. Und objektiv betrachtet hat er doch Recht.
Ich bin froh, dass mich meine Mutter mit einem so wohlklingenden Namen gesegnet hat :^D

rechtsanwaltsgehilfe, Freitag, 5. Oktober 2007, 08:35
Vielleicht ist auch das nur ein Test. Ich weiß wie bei uns die Associates gegeneinander ausgespielt werden, um sie zu "Höchstleistungen" anzustacheln. Da wird so ein Quark dem einen erzählt, der Nächste höhrt "Nur weil Sie Otto-Karl Prinz zur Hohenlohe heißen, werden Sie hier nicht bevorzugt".

Und da soll es ja so eine Kanzlei geben, wo man ohne Dr. nicht mal am Empfang sitzen darf, die keinen "Meyer" einstellt, weil das ja genauso klingt, wie der Kanzleiinhaber.

Am schönsten fand ich das Gerücht, dass in einer Großbude männliche Bewerber in einem Rechtsgebiet maximal genauso lang (groß kann man ja dann nicht sagen), wie der Gruppenleiter sein durfte. Faruen durften gern auch einen Kopf größer sein...